Warum ich die Zeit nach der Geburt krass fand

Von dem Tag an, an dem wir zu Hause zu dritt lebten, hatte mein Leben völlig neue Prioritäten: Babypflege und Ernährung, Tragetuch-Recherche und so wenig Reize wie möglich, weil Schreibaby waren mein neues Leben.

Und dann war einfach alles anders

Ich fühlte mich anders, ich war jetzt Mama. Anstatt in einer Redaktion zu arbeiten, beschäftigte ich mich nun mit der Recherche von dem besten Tragetuch, damit, wie das mit dem Stillen besser klappt und versuchte trotzdem alt geliebte Routinen beizubehalten. Das mit dem altbewährten klappte eher mäßig. Mein Tagesablauf war ja von dem Moment an, wo wir zu dritt zu Hause waren (Tobi auch in Elternzeit) komplett auf den Kopf gestellt.

Mein Körper erholte sich schnell nach der Geburt. Aber mein seelischer Zustand war so, dass ich eigentlich nur funktioniert habe. Mein Baby weinte viel. Ich wusste meistens nicht, warum überhaupt. In der Zeit haben wir einfach unser Bestes getan, damit all unsere Bedürfnisse halbwegs gut erfüllt werden.

Meistens standen unsere Bedürfnisse hintenan. Das war okay – aber das macht natürlich was mit einem Menschen, der sonst nur für sich selbst verantwortlich war. Und vielleicht noch dafür, mit der Oma einmal in der Woche einkaufen zu fahren.

Wenn ich von dieser Zeit an meine Eltern und Oma besuchte, ging es nicht mehr darum, jemandem zu helfen, sondern selbst Zeit zum Durchatmen zu bekommen. Das funktionierte nicht so gut, dass ich wirklich „abschalten“ konnte. Aber gut genug, um sich die Verantwortung wenigstens zeitweise zu teilen.

Zu verstehen, hilft

Heute habe ich eine andere Sicht auf die Dinge von vor fast 9 Jahren. Heute weiß ich, dass mein Kind oft maßlos überreizt war. Er schrie, weil er Hilfe bei der Regulation brauchte. Er schrie, weil er sich nicht äußern konnte. Als mein Kind mit knapp einem Jahr anfing zu sprechen, wurde die Welt anders. Es wurde so viel einfacher. Denn er konnte sich nun mit Worten ausdrücken. Als mein Kind gerade 6 geworden war, lernten wir über ihn, dass er Autist ist. Was das alles wirklich heißt, wussten wir natürlich nicht direkt. Aber wir begannen, zu verstehen. Und das hilft. Sehr.

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