Blick aus dem Autofenster Auf dem Beifahrersitz schaut eine Frau in die Ferne Landschaft.

Gibt es wirklich Zeit nur für dich?

Selbstfürsorge ist das Wort, das jeder Mama spätestens nach den ersten Wochen mit Baby begegnet. Den ab der Geburt ist das Elternteil mit der Haupt-Elternzeit (oft die Mama) alleinzuständig und 24/7 auf Abruf bereit.

Als meine Kinder im Kindergartenalter waren, gab es eine weltweite Pandemie. Und unser Familiensystem musste sich anpassen. Wir Eltern, beide erwerbsarbeitend, mussten plötzlich gleichzeitig für zwei kleine Kinder zuständig sein – und das während der Arbeitszeit zu Hause. Und: mit zwei sehr gefühlsstarken Kindern, die es nicht gut schafften, sich zusammen oder alleine zu beschäftigen.

Ich weiß gar nicht mehr wie ich das Gefühl beschreiben soll. Da war einerseits positive Aufregung, denn ich mochte es gerne, viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und mit meinem Partner zu Hause. Andererseits fühlte ich mich aber auch sehr überlastet und es war nicht eindeutig klar für uns Eltern, wie wir das überhaupt organisiert kriegen.

Ich machte also einen Plan mit Bildern und Uhrzeiten und teilte uns Eltern auch exklusiv den Kindern zu. Also ich habe dann unsere Uhr eingestellt auf die Uhrzeit die gerade dran war und dann ein Symbolbild oder ein Foto genommen stellvertretend für Papa oder Mama Zeit. Das hat unseren Kindern eine Tagesstruktur gegeben, die wir versucht haben verlässlich einzuhalten.

Soweit zur Theorie.

Selbstfürsorge klappt theoretisch

In der Praxis fühlte ich mich trotzdem alleinzuständig. Und das lag nicht daran, dass mein Partner böse ist, sondern, dass wir es einfach noch nicht gewöhnt waren, wirklich beide zuständig zu sein. Mit der Zeit haben wir das aber gelernt. Und wir durften beide erfahren, was geteilte Elternschaft wirklich heißt:

– es heißt beide abrufbar zu sein und wer gerade nicht telefoniert geht und kümmert sich
– es heißt auch von beiden Kindern auch akzeptiert zu werden, denn das war auch nicht selbstverständlich. Bis dato
– und es heißt, dass nicht mehr nur Mama gerufen wird, sondern auch Papa und das bunt gemischt

Das war für uns Eltern beide eine sehr schöne Erfahrung. Denn je öfter wir beide auch angefordert wurden, desto klarer wurde unsere Elternrolle und das so klarer wurde auch, dass wir beide Vertraute für unsere Kinder sind.

Ich traute meinem Mann zu, dass er sich kümmern kann, und er traute mir zu, dass ich mich kümmern kann, und wir wechselten uns einfach ab, wie es gerade passte.

Und das, obwohl mein Mann Vollzeit arbeitete und ich nicht.

Ich hatte Angst, dass unsere Familie nicht funktioniert, wenn ich nicht funktioniere

Eine Woche hat 168 Stunden. Mein Mann arbeitete 40 Stunden in der Woche und ich ca. 20. Es blieben also noch deutlich über 100 Stunden übrig, die wir uns gegenseitig aufteilen konnten, wie wir und die Kinder es brauchten.

Darauf zu achten, selbst Pausen für uns einzuplanen, haben wir damals noch nicht geschafft.

Das mussten wir später lernen, als ich mit Anpassungsstörung in einer Psychotherapie saß. Die Anzeichen für den total Energieverlust waren auch Jahre vorher schon da. Jedoch habe ich sie ignoriert. Denn ich hatte Angst, dass unser Leben nicht funktioniert, wenn ich nicht funktioniere.

Heute nehme ich mir regelmäßig Pausen, bevor ich sie dringend brauche.

Das war ein harter Lernprozess. 

Heute hat unser Energie-Haushalt die oberste Priorität

Wenn unsere Energie nicht die oberste Priorität hat, leben wir im Grunde auf Pump (Sprichwort). Wir leihen uns unsere Energie von morgen und gehen eigentlich über unsere eigenen Ressourcen hinaus. Die Folge: Am nächsten Tag starten wir bereits mit wenig Energie. Wenn dann noch eine Neurodivergenz hinzukommt, ist das Energielevel meist deutlich niedriger.

Wir nehmen uns Zeit zu zweit und wir nehmen uns Zeit alleine. Wie? So wie es passt, damit wir mehr Energie für unser Leben haben. Ich kann dir verraten, dass wir, seitdem wir das machen, sogar einmal im Jahr alleine Kurzurlaub machen (neben unserem Familienurlaub). Früher hätte ich mich das nie getraut. Ich hätte mich geschämt. Aber das ist eigentlich Quatsch, weiß ich heute!

Du willst dich auch so frei fühlen? Das ist möglich! Melde dich, wenn du dir auf dem Weg Begleitung und Hilfe wünscht!

Zeit für dich gibt es wirklich

Systemische Beratung mit Karin